Testament schreiben: Der erste Schritt zur Planung
Erfahren Sie, warum ein Testament wichtig ist und welche Formen es gibt. Wir erklären den Unterschied zwischen handschriftlich und notariell.
Mehr erfahrenOhne Testament greift die gesetzliche Erbfolge. Lesen Sie, welche Verwandten in welcher Reihenfolge erben und warum die Ordnungssysteme wichtig sind.
Viele Menschen denken, dass ihre Familie automatisch erbt. Aber das stimmt nicht ganz. In Deutschland regelt das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) genau, wer erbt — wenn es kein Testament gibt. Das System heißt gesetzliche Erbfolge, und es’s eigentlich ganz logisch aufgebaut.
Die gesetzliche Erbfolge schützt deine Familie, aber sie passt nicht immer zu deinen Wünschen. Manche Verwandte erben, obwohl du das nie wolltest. Andere, denen du etwas hinterlassen möchtest, gehen leer aus. Deshalb ist es wichtig zu verstehen, wie das System funktioniert — und wann du aktiv werden solltest.
Das deutsche Erbrecht arbeitet mit einem Ordnungssystem. Das ist eigentlich praktisch — es regelt klar, wer vor wem erbt. Es gibt vier Ordnungen, und die funktionieren nach einem einfachen Prinzip: Nur wenn es keine Erben aus einer Ordnung gibt, rücken die nächsten nach.
Kinder und Enkel. Deine Kinder erben immer, wenn es ein Testament gibt oder nicht. Wenn ein Kind verstorben ist, rücken dessen Kinder (deine Enkel) nach.
Eltern und deren Nachkommen. Nur wenn du keine Kinder hast, erben deine Eltern. Sind beide verstorben, erben deine Geschwister und deren Kinder.
Großeltern und deren Nachkommen. Diese erben nur, wenn es keine Erben aus den ersten zwei Ordnungen gibt. Onkel und Tanten fallen hier unter.
Urgroßeltern und deren Nachkommen. Das ist sehr selten. Diese Ordnung greift fast nie, weil normalerweise Erben aus früheren Ordnungen vorhanden sind.
Der Ehegatte oder die Ehegattin ist nicht in den vier Ordnungen eingeteilt. Sie erben immer mit — unabhängig davon, ob Kinder da sind oder nicht. Das ist das deutsche System, und es’s tatsächlich sehr ehefokussiert.
Wie viel der Ehegatte bekommt, hängt vom Güterstand ab. Im Standard-Güterstand (Zugewinngemeinschaft) erbt der Ehegatte ein Viertel, wenn es Kinder gibt. Sind keine Kinder vorhanden, erbt der Ehegatte die Hälfte oder mehr, je nachdem ob es noch Eltern gibt.
Wichtig: Bei Scheidung verliert der Ex-Ehegatte alle Erbrechte. Das solltest du im Hinterkopf haben, wenn eine Trennung ansteht.
Theorie ist schön, aber Praxis ist besser. Hier sind drei realistische Szenarien, die zeigen, wie die gesetzliche Erbfolge tatsächlich funktioniert.
Thomas ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Er stirbt ohne Testament. Das Erbe wird so aufgeteilt: Die Ehefrau bekommt ein Viertel, jedes Kind bekommt drei Achtel. Die Familie bleibt zusammen, das Haus kann in der Familie bleiben — das funktioniert oft ganz gut. Aber Thomas hätte vielleicht lieber gewollt, dass die Ehefrau mehr bekommt.
Sarah ist ledig und hat einen Sohn. Sie stirbt unerwartet. Das Kind erbt alles — das ist einfach. Aber Sarahs Eltern haben keine Rechte, obwohl sie vielleicht finanziell unterstützt werden sollten. Ein Testament hätte hier Klarheit schaffen können.
Klaus ist verheiratet, hat aber keine Kinder. Seine Eltern leben noch. Klaus stirbt. Die Ehefrau bekommt drei Viertel, die Eltern teilen sich ein Viertel. Das kann zu Konflikten führen, wenn die Eltern finanzielle Ansprüche haben.
Die gesetzliche Erbfolge funktioniert, aber sie’s nicht flexibel. Mit einem Testament kannst du selbst bestimmen, wer wie viel bekommt. Das ist vor allem dann wichtig, wenn deine Familie nicht dem Standard-Muster entspricht.
Stell dir vor, du möchtest deinem besten Freund etwas hinterlassen. Oder du hast einen Sohn, der finanziell unabhängig ist, und eine Tochter, die deine Unterstützung braucht. Du kannst unterschiedlich viel vererben — nur mit Testament. Die gesetzliche Erbfolge teilt einfach nach Ordnung auf.
Mit Testament kannst du:
Mit der gesetzlichen Erbfolge kommt oft auch die Erbschaftsteuer. Das ist eine wichtige Überlegung, besonders bei größeren Vermögen. Deutschland hat ein differenziertes System mit Steuerfreibeträgen, die von der Verwandtschaft abhängen.
400.000
400.000 pro Kind
100.000
Diese Freibeträge gelten alle zehn Jahre neu. Das bedeutet: Du kannst deinem Kind alle zehn Jahre 400.000 Euro steuerfrei schenken oder vererben. Das ist eine echte Gestaltungsmöglichkeit für deine Erbschaftsplanung.
Die gesetzliche Erbfolge ist das Sicherheitsnetz für den Fall, dass es kein Testament gibt. Sie funktioniert nach klaren Regeln, aber sie passt nicht immer zu deinen Wünschen.
Die vier Ordnungen regeln klar, wer vor wem erbt. Keine Verwandtschaftsart wird vergessen.
Der Ehegatte erbt immer mit, unabhängig von den Ordnungen. Das ist eine echte Bevorzugung im deutschen Erbrecht.
Die gesetzliche Erbfolge ist nur Plan B. Mit Testament entscheidest du selbst, wer wie viel bekommt.
Mit geplanten Schenkungen zu Lebzeiten kannst du Erbschaftsteuer sparen und deine Familie schon früher unterstützen.
Die gesetzliche Erbfolge ist ein guter Start, aber sie’s kein Ersatz für professionelle Planung. Wenn du ein größeres Vermögen hast oder eine ungewöhnliche Familiensituation, solltest du mit einem Anwalt oder Notar sprechen. Ein Testament kostet weniger, als du vielleicht denkst — aber es spart deiner Familie viel Zeit und Streit.
Testament Grundlagen lesenDieser Artikel bietet allgemeine Informationen über die gesetzliche Erbfolge in Deutschland. Es’s keine Rechtsberatung. Jede Erbsituation ist unterschiedlich, und deine persönliche Situation kann Besonderheiten haben, die hier nicht berücksichtigt sind. Für konkrete Fragen zu deinem Testament, deiner Erbschaft oder Erbschaftsteuer solltest du einen Rechtsanwalt oder Notar konsultieren. Sie können dir eine Beratung geben, die speziell auf deine Umstände zugeschnitten ist.